Präsidentschaftswahl in den USA und unser blinder Fleck

07.11.2020: Noch läuft die Auszählung zur Präsidentschaftswahl in den USA. Es zeichnet sich langsam ab, dass Herausforderer Joe Biden die Wahl gegen Noch-Präsident Donald Trump gewinnen wird, wenn auch denkbar knapp. Ehemalige Unterstützer Donald Trumps ziehen sich schon zurück, republikanische Abgeordnete distanzieren sich von ihm, Fernsehsender schalten während seiner Pressekonferenz ab … Die Ratten verlassen das sinkende Schiff, könnte man sagen und muss das nicht einmal böse meinen, denn Ratten sind kluge Tiere.

In der Berichterstattung in Deutschland hört und liest man, was man vier Jahre gehört und gelesen hat, nämlich wie schrecklich Trump sei, und die geneigten Hörer und Leser schütteln den Kopf über Trump, … anstatt über Ursachen und Folgen nachzudenken!
Folgerichtig wurden die Medien (und viele andere wie ich) völlig überrascht, dass es Millionen Amerikaner gibt, die das anders sehen. Denn: Auch wenn Trump diese Wahl verliert, hat ihn fast die Hälfte der Amerikaner gewählt und infolge der großen Wahlbeteiligung hat er als Verlierer wahrscheinlich mehr Wählerstimmen bekommen als jeder gewählte US-Präsident vor Biden.

Und unsere Überraschung beruht m.E. auf unserem Fehler: Wir haben uns jahrelang wenig darum gekümmert, warum Trump diesen Erfolg hat, bzw. was in den Köpfen der (anderen !? Hälfte der) Menschen vorgeht. Zwangsläufig machen wir uns auch keine Gedanken, was man daraus lernen könnte, was man übertragen könnte auf die Situationen in anderen Ländern und insbesondere auf die Situation in Deutschland, obwohl es dort auch (politische) Gräben in der Bevölkerung gibt, die die Demokratie gefährden.

Ich fürchte, wenn die demokratiefreundlichen Menschen nicht mehr tun als ihre Köpfe zu schütteln, werden sich diese Gräben nicht schließen. Die demokratiefeindlichen Populisten werden sicher nichts dafür tun …

Le­sens­wer­tes

  • Nils Mel­zer, Uno-Son­der­be­rich­terstat­ter für Fol­ter, über den Fall As­san­ge, den ak­tuel­len Stand un­se­rer De­mo­kra­tien und die Fol­gen für die Pres­se­frei­heit bei https://www.­re­pu­blik.ch/

Histo­ri­sche Kli­ma­war­nun­gen

Man­che tun im­mer noch über­rascht, als ob der Kli­ma­wan­del et­was Neues wä­re.

  • 1896: Wis­sen­schaft­li­che Ver­öf­fent­li­chung: "On the In­fluen­ces of Car­bo­nic Acid in the Air upon the Tem­pe­ra­tu­re of the Ground" von Svan­te Arr­he­nius im "Phi­lo­sop­hi­cal Ma­ga­zi­ne and Jou­nal of Scien­ce" vom April 1896(!). Mit die­ser Ver­öf­fent­li­chung stell­te Arr­he­nius wohl als Erster ei­ne Theo­rie zum Treib­haus­ga­sef­fekt vor und sag­te vor­her, dass ua. die Ver­bren­nung fos­si­ler Brennstof­fe ei­ne glo­ba­le Er­wär­mung be­wir­ken wür­de.
  • 1912: Kur­ze Mel­dung in The Rod­ney & Ota­ma­tea Ti­mes (ver­mut­lich Neu­see­land) vom 14.08.1912 "Coal Con­sump­tion Af­fec­ting Cli­ma­te" in ei­nem Tweet von @el_es­cuin­cle
  • 1917: Aus­schnitt aus ei­nem Zei­tung­sar­ti­kel aus dem Salz­bur­ger Volks­blatt vom 26.07.2017 in ei­nem Tweet von @el_es­cuin­cle . Ver­mut­lich han­delt es sich um ei­nen Ar­ti­kel über Svan­te Arr­he­nius (1859-1927, No­bel­preis für Che­mie 1903) und / oder sei­ne Theo­rie von 1896.
  • 1988: Zei­tung­sar­ti­kel aus der Ba­di­schen Zei­tung vom 02.07.1988 "Ex­per­ten war­nen vor dem Kli­ma­kol­laps" in ei­nem Tweet von @el_es­cuin­cle