Ener­gie­wen­de, die Drit­te

  • 16.04.11 Beach­ten Sie die ak­tuel­le Di­skus­sion:
    Man könn­te mei­nen, dass sich mit dem schnel­le­ren Aus­stieg aus der Atom­kraft hier­zu­lan­de ei­ne ener­gie­po­li­ti­sche Re­vo­lu­tion voll­zö­ge. Gleich­zei­tig wird im Ne­bel die­ses Aus­stie­ges da­ran ge­ar­bei­tet, die eben­falls di­skus­sions­wür­di­ge Struk­tur der hie­si­gen Ener­gie­ver­sor­gung lang­fristig zu ze­men­tie­ren: Statt we­ni­ger gro­ßer Atom­kraft­wer­ke sol­len es jetzt we­ni­ge gro­ße Wind­parks in der Nord­see wer­den, mit we­ni­gen gro­ßen Strom­tras­sen, er­gänzt durch we­ni­ge gro­ße Gas­kraft­wer­ke und al­les in der Hand von we­ni­gen gro­ßen Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men. Da kann man leicht vor­aus­se­hen, dass es bei gro­ßen Ge­win­nen We­ni­ger blei­ben wird mit al­len be­kann­ten Ab­hän­gig­kei­ten des Staa­tes von kon­zen­trier­tem Ka­pi­tal.
    Da­bei gibt es auch da­zu Al­ter­na­ti­ven in Form von viel­en klei­nen statt we­ni­gen gro­ßen An­la­gen. Viele klei­ne­re Wind­kraft-, So­lar-, Bio­gas- usw. -An­la­gen in ganz Deut­schland kön­nen die Ab­hän­gig­keit von ei­ner Tech­nik ver­hin­dern, die Stro­mer­zeu­gung in de­zen­tra­len Block­heiz­kraft­wer­ken kann den Ge­sam­te­ner­gie­ver­brauch und den CO2-Aus­stoß ver­in­gern. Ne­ben­bei wer­den viele klei­ne An­la­gen we­sent­lich mehr Ar­beit­splät­ze schaf­fen als ein paar Groß­kraft­wer­ke und da­mit al­le Kas­sen mehr ent­lasten, als es der an­ge­blich so bil­li­ge Atomstrom je ge­tan hat.

    Wa­rum neigt man den­noch zur 'gro­ßen' Lö­sung?
    Zu­nächst ein­mal sind hand­feste In­te­res­sen im Spiel, aber die sind gar nicht ent­schei­dend, den Klein­be­trie­be sind nicht we­ni­ger egoistisch als Groß­kon­zer­ne. Ent­schei­dend ist, dass Groß­kon­zer­ne ih­re In­te­res­sen bes­ser bün­deln und durch­set­zen kön­nen.

März 2011 - GAU in Fu­kus­hi­ma

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  • 14.03.11 Wa­rum hört man ei­gent­lich vom Mi­ni­Prä­si BW nichts, dem Ober­lauf­zeit­ver­län­ge­rer?
  • 13.03.11 Die Sprach­lo­sig­keit, die ich gestern beim Bun­des­mi­nister für Um­welt, Na­tur­schutz und Reak­tor­si­cher­heit - die­se ab­stru­se (das Fremd­wort müsste in den letz­ten Ta­gen ei­gent­lich je­der nach­ge­schla­gen ha­ben) Kom­bi­na­tion wur­de übri­gens ein paar Wo­chen nach der Reak­tor­ka­ta­stro­phe in Tscher­no­byl er­fun­den (vom Lehr­meis­ter der­je­ni­gen, die jetzt Koh­li­tik in an­de­ren Kit­teln be­treibt) - noch als an­ge­nehm emp­fun­den ha­be, ist ge­wi­chen. Jetzt sagt er 'Brü­cken­tech­no­lo­gie' statt 'Lauf­zeit­ver­län­ge­rung' und 'er ha­be die al­ten Ar­gu­men­te satt' statt 'das Un­glück darf nicht par­tei­po­li­tisch aus­ge­nutzt wer­den', aber klar ist nur, das mit der kur­zen (und ehr­li­chen) Sprach­lo­sig­keit eben auch die kur­ze Ehr­lich­keit ge­wi­chen ist.
  • 13.03.11 Tscher­no­byl war 1986, Fu­kus­hi­ma 2011, der schwarz-gelb ge­plan­te - na­ja - an­ge­kün­dig­te Ato­mausstieg soll 2036 sein.
    Das wird selbst für ein­fach Den­ken­de knapp..
    Aber mit ei­ner Re­ser­vie­rung für den Re­gie­rungs­bun­ker in der Ta­sche muss man sich um Re­ser­ven eben kei­ne Ge­dan­ken ma­chen..
  • 13.03.11 'Un­se­re Kern­kraft­wer­ke wür­den un­ab­hän­gig über­wacht', hört man sie sa­gen.
    In Ba­den-Würt­tem­berg ist das je­den­falls zwei­fel­haft.
    Der Mi­nister­prä­si­dent von Ba­den-Würt­tem­berg hat näm­lich erst im De­zem­ber 2010 mit ziem­lich viel Geld und oh­ne Ab­stim­mung fast die Hälf­te der EnBW ge­kauft, den Be­trei­ber ei­ni­ger (ziem­lich al­ter) Kern­kraft­wer­ke. Und für die Über­wa­chung der Kraft­wer­ke ist eben­falls das Land Ba­den-Würt­tem­berg zustän­dig.
    Ge­kostet hat es an­ge­blich 4,7 Mrd € (ver­öf­fent­licht). Für die ei­nen ist das viel Geld, für die an­dern nicht mehr als ein Bahn­hof. Auf je­dem Fall soll­te es sich amor­ti­sie­ren und nicht vom der Auf­sicht des Lan­des still­ge­legt wer­den...
  • 13.03.11 Man soll­te die Un­ver­fro­ren­heit nicht un­ter­schät­zen:
    "Wir wa­ren im­mer für den Ato­mausstieg, das ist doch klar! " - kaum ein hal­bes Jahr nach der Lauf­zeit­ver­län­ge­rung? Feh­len nur noch Steue­rer­leich­te­run­gen, um die Mei­ler zu ent­lasten...
    "Man soll das Un­glück in Ja­pan jetzt nicht par­tei­po­li­tisch aus­schlach­ten" - Zig-Tau­send to­te Men­schen auf ei­ner Ebe­ne mit Par­tei­po­li­tik?
    "Si­cher­heit war im­mer oberstes Ge­bot! " und "Jetzt muss die Si­cher­heit noch­mals ge­prüft wer­den! " - na, wat nu?
    Über­haupt: Wer et­was über un­se­re De­mo­kra­tie ler­nen will, soll­te im Mo­ment beo­bach­ten, wie sich die po­li­ti­schen Kom­men­ta­re von Stun­de zu Stun­de ent­wi­ckeln. Gestern abend wussten die Her­rschaf­ten kaum, was sie sa­gen soll­ten. Heu­te früh er­kennt man erste Sprach­re­ge­lun­gen und schon tex­ten sie uns wie­der zu, ver­drän­gen und ver­ne­beln wis­sen­schaft­li­che Kom­men­ta­re, und bald wer­den viele wie­der glau­ben statt zu den­ken.
  • 12.03.11"Für die Be­völ­ke­rung bestand nie ei­ne Ge­fahr", wird man sie wie­der sa­gen hö­ren, und"Un­se­re Kern­kraft­wer­ke sind si­cher"..
    bis wir an­ders wäh­len.

ca. 20.12.2009 Die Bei­trä­ge zur Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung sol­len er­höht wer­den.

Die Steuer­ge­schen­ke der schwarz-gel­ben Koa­li­tion müs­sen fi­nan­ziert wer­den, Steue­rer­hö­hun­gen will man nicht zu­ge­ben, des­halb wer­den Steuern er­höht, die nicht Steuern hei­ßen. Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung hat nichts mit Steuern zu tun? Aber ja doch, denn die Ar­beits­lo­sen­zah­lung wer­den mas­siv aus dem Bun­des­haus­halt un­ter­stützt, da­mit ent­lastet die Er­hö­hung der Bei­trä­ge zur Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung den Bun­des­haus­halt ge­nau­so wie ei­ne Steue­rer­hö­hung. Oder glaubt et­wa je­mand, dass mit der Er­hö­hung der Bei­trä­ge auch die Leistun­gen er­höht wer­den?

Kom­men­tar
Da­mit be­zah­len jetzt die Zim­mer­mäd­chen mit hö­he­ren Bei­trä­gen zur Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung die Steuer­ge­schen­ke für Ho­te­liers (in Form des ver­min­der­ten Mehr­wertsteuer­sat­zes für Über­nach­tun­gen).
Ord­nen Sie die fol­gen­den Ph­ra­sen zu: So­zia­le Markt­wirt­schaft, Klien­tel-Po­li­tik, Leistung muss sich wie­der loh­nen.

01.12.2009 Un­ter deut­scher Füh­rung wer­den wie­der Men­schen ver­nich­tet.

Die Süd­deut­sche Zei­tung be­rich­tet über den Be­richt der ISAF über den Bom­be­nan­griff in Kun­dus vom 04.09.2009. Ziel des An­grif­fes war aus­drück­lich die Ver­nich­tung ver­meint­li­cher Ta­li­ban.

Kom­men­tar
Da­mit ist jetzt bestä­tigt, was vor­her nur aus Oberst Kleins Ab­leh­nung ei­ner War­nung durch Über­flug oder aus den schnel­len und hef­ti­gen Pro­testen der Na­to-Part­ner zu schlie­ßen war. Da­bei wer­fen die Pro­teste der Na­to-Part­ner wei­te­re Fra­gen auf:

  • Wa­rum wis­sen meh­re­re deut­sche Ver­tei­di­gungs­mi­nister noch nach zwei Mo­na­ten nicht, was die Na­to-Part­ner in­ner­halb Stun­den of­fen­sicht­lich zu­tref­fend be­wer­ten konn­ten?
  • Wa­rum pro­testie­ren Ame­ri­ka­ner, die doch selbst nicht zim­per­lich sind? War es so schlimm? (Man muss ja wohl an­neh­men, dass wir im­mer noch nicht al­les wis­sen..)

In der Öf­fent­lich­keit wird der noch am­tie­ren­de "Ver­tei­di­gungs"­mi­nister di­sku­tiert, der in­zwi­schen wohl nur noch sich selbst ver­tei­digt, viel­leicht noch die gan­ze Bun­des­re­gie­rung. Mit die­sem "Ver­tei­di­gungs"­mi­nister will ich mich nicht mehr auf­hal­ten, ei­ne ge­platz­te Sei­fen­bla­se mehr un­ter Po­li­ti­kern und jetzt schon Ge­schich­te wie die Nach­kriegs­zeit der Bun­des­re­pu­blik und die da­mit ver­lo­re­ne Un­schuld.

Die ver­lo­re­ne Un­schuld tut mir sehr viel mehr weh, und sie eröff­net die Fra­ge, wie es wei­ter geht mit der Bun­des­re­pu­blik.
Zur Erin­ne­rung: Ein deut­scher Oberst for­dert ei­nen Bom­be­nan­griff oh­ne Vor­war­nung ge­gen ver­meint­li­che Fein­de, um die­se zu "ver­nich­ten" (sei­ne ei­ge­ne For­mu­lie­rung) und be­kommt ihn, nach­dem er - wahr­heits­wi­drig - an­gibt, sei­ne Trup­pen seien an­ge­grif­fen. Da­mit ver­stößt er ge­gen ziem­lich viele ISAF-Re­geln, an­ge­blich ge­gen das Man­dat des deut­schen Bun­desta­ges und ge­gen deut­sches Stra­frecht, gleich, ob er nun durch­ge­dreht, über­for­dert oder zielstre­big war.
Aber der "Ver­tei­di­gungs"­mi­nister stellt sich vor ihn, ne­giert wei­ter­hin den "Krieg" und will an­de­rer­seits "Rechts­si­cher­heit" ver­mit­teln. Rechts­si­cher­heit für die Ver­nich­tung von Men­schen? Der Rest der Re­gie­rung in­klu­si­ve Kanz­le­rin schweigt da­zu und tut, als ob es sie nichts an­gin­ge.

Krieg oder nicht Krieg, ist die Fra­ge

  • Wenn kein Krieg ist, wa­rum ist dann Oberst Klein noch nicht an­ge­klagt? Ich will ihn nicht vor­ver­ur­tei­len, aber ca. 100 To­te oh­ne sicht­ba­re Not­wehr oder Not­hil­fe soll­te doch für ei­nen An­fangs­ver­dacht und ei­ne Kla­geer­he­bung aus­rei­chen. Wa­rum hört man kei­ne Pro­teste der Mit­glie­der des Deut­schen Bun­desta­ges, in des­sen Na­men Men­schen ver­nich­tet wer­den?
  • Wenn aber Krieg ist, dann stellt man zu­nächst fest, dass das deut­sche Volk von ih­rer Re­gie­rung sys­te­ma­tisch be­lo­gen wird. Da­nach muss man fra­gen, wie es da­zu ge­kom­men ist, wer und wa­rum die­ses Man­dat erst be­schlos­sen und dann jähr­lich ver­län­gert hat mit der Kon­se­quenz, dass deut­sche Sol­da­ten wie­der ver­nich­ten. Ich möch­te die­se Fra­ge je­dem ein­zel­nen MdB stel­len.

Au­ßer­dem be­deu­tet Krieg, dass Frau Mer­kel der erste Krieg­skanz­ler der Bun­des­re­pu­blik ist. Wir soll­ten da­für sor­gen, dass sie es nicht so lan­ge bleibt wie ihr un­sä­gli­cher Vor­gän­ger.

Nach­trag vom 28.12.2009
Heu­te mel­det das OV, dass das Ver­trauen der Be­völ­ke­rung in die Po­li­tik auf dem nie­drigsten Stand seit 1945 sei.
Kom­men­tar: Wen wun­dert's ..

An­fang De­zem­ber 2009: POTUS Oba­ma schickt noch mehr Trup­pen nach Af­gha­nistan

Der Pre­si­dent of the Un­ited Sta­tes und frisch ge­ba­cke­ne Frie­dens­no­bel­preisträ­ger Oba­ma will wie­der­holt die Trup­penstär­ke in Af­gha­nistan er­hö­hen, dies­mal um 30000 Mann/­Frau (Mann, war das for­mu­lie­rungs­mä­ßig ein­fach, als Ar­meen nur aus Män­nern bestan­den) (Man/­dam hört Stim­men, dass dies die letz­ten ver­füg­ba­ren Trup­pen der USA wä­ren). Zu­sätz­lich er­war­tet er auch von den NATO-Part­nern Ver­stär­kun­gen und er­hält sie wohl auch.

Kom­men­tar
Wel­cher Teu­fel die No­bel­prei­skom­mis­sion ge­rit­ten hat, ist mir ein Rät­sel, das Muster des Af­gha­nista­nein­sat­zes nicht. Wie da­mals in Viet­nam geht nichts vor­wärts, wie auch, wenn man die plan­lo­sen Be­grün­dun­gen für den Ein­satz hört, die auch nach stän­di­ger Wie­der­ho­lung nicht ver­nünf­ti­ger wer­den. Und wie in Viet­nam gesteht sich das kei­ner der Groß­kop­fe­ten ein und will im­mer noch mehr Trup­pen schi­cken statt ein­mal Clau­se­witz zu le­sen. Das wird so­lan­ge ge­hen, bis der Ein­satz po­li­tisch und fi­nan­ziell un­be­zahl­bar wird und wir uns mit ein­ge­zo­ge­nem Schwanz aus Af­gha­nistan hin­aus­schlei­chen müs­sen - Sai­gon 1975 lässt grü­ßen.
Dass ame­ri­ka­ni­sche Po­li­tik erst schießt und dann fragt, ist ja nicht neu. Neu ist, dass die Bun­des­re­pu­blik mit­macht, und da­mit end­gül­tig ih­re Un­schuld ver­liert.

Ich kann nur ver­su­chen, mei­ne Kin­der und mög­lichst viele mei­ner Schü­ler vor dem Dienst in der Bun­des­wehr zu war­nen.

03.12.2009 Ver­tei­di­gungs­mi­nister Gut­ten­berg steht das Was­ser bis zum Hals

Am 03.09.2009 wer­den bei ei­nem von deut­schen Sol­da­ten an­ge­for­der­ten Bom­be­nan­griff auf ei­nen Tan­klast­zug bei Kun­dus ei­ne un­ge­klär­te An­zahl von Zi­vi­listen ge­tö­tet. Der An­griff wur­de da­mals von viel­en Na­to­part­nern schnell und un­ge­wöhn­lich deut­lich kri­ti­siert. Gut­ten­berg kam erst nach dem Bom­be­nan­griff ins Amt, nann­te ihn aber et­wa ei­ne Wo­che nach Amt­san­tritt am 6.No­vem­ber 2009 "mi­li­tä­risch an­ge­mes­sen".
Am 26. No­vem­ber wird be­kannt, dass die In­for­ma­tio­nen über den Bom­be­nan­griff un­vollstän­dig wa­ren. Noch am glei­chen Tag ent­lässt Gut­ten­berg nebst ei­nem Staats­se­kre­tär den Ge­ne­ra­lin­spek­teur des Hee­res Ge­ne­ral Schnei­der­han un­ter Um­ge­hung des mi­li­tä­ri­schen Grund­sat­zes, über wich­ti­ge Ent­schei­dun­gen min­destens ei­ne Nacht zu schla­fen. Am fol­gen­den Tag muss nach ei­ner un­glück­li­chen Er­klä­rung auch noch sein Vor­gän­ger Jung (CDU) von sei­nem neuen Amt als Ar­beits­mi­nister zu­rück­tre­ten.
Am 3. De­zem­ber 2009 re­vi­diert Gut­ten­berg sei­ne Ein­schät­zung, nennt den An­griff nicht mehr "mi­li­tä­risch an­ge­mes­sen", stellt sich aber aus­drück­lich vor den ver­ant­wort­li­chen Obersten.

Kom­men­tar:
Die Geste ge­gen­über dem Obersten soll wohl no­bel aus­se­hen, aber tat­säch­lich hat sich Gut­ten­berg mit sei­nen Schnell­schüs­sen in Re­kord­zeit in die Bre­douil­le ge­rit­ten. Mit Schnei­der­han hat er ei­nen Sol­da­ten für po­li­ti­sche Spiel­chen geop­fert, dass kommt im Of­fi­zier­skorps gar nicht gut an. Mit Jung wird ein ge­ra­de eben ge­bil­de­tes Kabi­nett um­ge­wor­fen, was si­cher be­deu­tet: "T­he Mer­kel is not amu­sed". Und jetzt sind die ge­tö­te­ten Zi­vi­listen wie­der in der Pres­se und hal­ten Gut­ten­berg am kö­cheln.
Was bleibt ihm übrig, als sich dumm zu stel­len ("ha­be ich nicht ge­wusst..") und sich bei der Trup­pe an­zu­bie­dern?

Er wird wohl im Amt blei­ben, aber deut­lich lei­ser und bei nächster Ge­le­gen­heit aus­ge­tauscht wer­den.
 

Kriegs­mi­nister

Mit­te der 1990er hat es lang­sam an­ge­fan­gen. Bun­des­wehr baut Flug­plät­ze in So­ma­lia, be­treibt Sa­ni­täts­sta­tio­nen in In­do­ne­sien usw. Da­mals gab es die ersten to­ten Sol­da­ten - durch Ver­kehr­sun­fäl­le. Trau­rig, aber nicht un­ge­wöhn­lich, so ge­wöhnt man sich an Zink­sär­ge.

So­ma­lia ist heu­te übri­gens völ­lig inst­abil, sei­ne Fisch­grün­de wer­den von in­ter­na­tio­na­len Fang­flot­ten aus­ge­plün­dert und viele sei­ner Fi­scher ver­die­nen ih­ren Le­bens­un­ter­halt als Pi­ra­ten, die wie­de­rum von der Bun­des­ma­ri­ne be­kämpft wer­den...

Seit 2002 steht die Bun­des­wehr in Af­gha­nistan und der Ge­wöh­nung­spro­zess geht wei­ter. Der erste durch ei­nen Bun­des­wehr­sol­da­ten er­schos­se­ne Af­gha­ne war noch Be­trof­fen­heit und Schlag­zei­len wert. Im Au­gust 2008 wa­ren es ei­ne Frau und 2 Kin­der, die an ei­nem Kon­troll­punkt von deut­schen Sol­da­ten er­schos­sen wur­den, weil sie nicht an­ge­hal­ten ha­ben, auch das war noch ei­nen Auf­re­ger wert. Im Ju­li 2009 war es ein Ju­gend­li­cher, das geht in den Nach­rich­ten schon un­ter.
Auch wenn be­rich­tet wird, ver­än­dern sich die Nach­rich­ten schlei­chend. 2008 wur­de noch to­te Af­gha­nen ge­mel­det mit dem Hin­weis, deut­sche Sol­da­ten hät­ten nicht ge­schos­sen. Im Ju­li 2009 lau­te­te ei­ne Ra­dio­mel­dung schon sinn­ge­mäß "Bei ei­nem Feuer­ge­fecht in Af­gha­nistan wur­den 2 Af­gha­nen er­schos­sen, deut­sche Sol­da­ten wur­den nicht ver­letzt."

Ne­ben­bei ge­fragt:
Wel­chen Sinn hat der Hin­weis, dass deut­sche Sol­da­ten nicht ver­letzt seien, wenn man wohl vor­aus­set­zen darf, dass An­ge­hö­ri­ge über schlech­te Nach­rich­ten so schnell in­for­miert wer­den, dass sie es nicht aus den Me­dien er­fah­ren müs­sen?

Feier­lau­ne

Nach der Eu­ro­pa­wahl am 07. Ju­ni 2009 be­dauert die SPD ei­nen ka­ta­stro­pha­len Ab­rutsch von 0,7%, wäh­rend die CDU/CSU ei­nen Ver­lust von nur 6,5% feiert.

Schul­den­brem­se

Am 29. Mai 2009 be­schließt der Deut­sche Bun­destag, ei­ne Schul­den­ver­bot im Grund­ge­setz zu ver­an­kern.

Zur Erin­ne­rung zi­tie­re ich aus demAr­ti­kel 115 des Grund­ge­set­zes
(1) .. Die Ein­nah­men aus Kre­di­ten dür­fen die Sum­me der im Haus­halt­splan ver­an­schlag­ten Aus­ga­ben für In­vesti­tio­nen nicht über­schrei­ten; Aus­nah­men sind nur zu­läs­sig zur Ab­wehr ei­ner Stö­rung des ge­samt­wirt­schaft­li­chen Gleich­ge­wichts..
(2) Für Son­der­ver­mö­gen des Bun­des kön­nen durch Bun­des­ge­setz Aus­nah­men von Ab­satz 1 zu­ge­las­sen wer­den.

Ich mei­ne, wenn die­ser Ar­ti­kel den jet­zi­gen Schul­denstand nicht ver­hin­dert hat, wird es ein neuer Ar­ti­kel auch nicht tun. Er wird näm­lich auch Aus­nah­me­re­geln ent­hal­ten, die dann zur Re­gel wer­den. Lie­ber wä­re es mir, wenn man sich wie­der auf den Geist des Grund­ge­set­zes be­sän­ne statt sei­ne Buchsta­ben ins Ge­gen­teil zu ver­dre­hen.

Im übri­gen se­he ich mit Sor­ge, dass im­mer häu­fi­ger nach ei­ner Än­de­rung des Grund­ge­set­zes ge­ru­fen wird. Ich ver­mu­te, dass die Än­de­run­gen nicht ge­for­dert wer­den, weil das Grund­ge­setz so schlecht ist, son­dern weil es Auf­merk­sam­keit bringt. Bei po­li­ti­schen Wah­len ist es näm­lich ähn­lich wie bei Klas­sen­spre­cher­wah­len: Ge­wählt wer­den viel zu oft die Schrei­häl­se, nicht die Be­son­ne­nen. Was bei ei­nem Klas­sen­spre­cher schnell vor­über geht, wird bei Än­de­run­gen des Grund­ge­set­zes schmerz­haf­te­re Fol­gen ha­ben. Wa­rum? Po­li­ti­ker, die sich durch Än­de­rungs­for­de­run­gen in Sze­ne set­zen wol­len, wer­den na­tür­lich nur for­dern, was man auch öf­fent­lich ver­tre­ten kann - und öf­fent­li­che Mo­ral ist sel­ten le­bens­froh, son­dern meis­tens mo­ra­lin­sauer.

Ein­heit

Im Mo­ment wird ge­borgt und ge­bürgt wie nie, Mio. oder Mrd., ist doch fast das Glei­che. Kennt über­haupt noch je­mand den Un­ter­schied?

Um Ver­wechs­lun­gen zu ver­mei­den, schla­ge ich vor, sol­che Sum­men zu­künf­tig nur noch in Bio. an­zu­ge­ben. Das sieht auch viel ge­sün­der aus ..

Be­son­de­re For­men der Ent­wick­lungs­hil­fe

Am 8. Mai 2009 hat der Bun­des­fi­nanz­mi­nister Peer Stein­brück die Schweiz und an­de­re so­ge­nann­ten "Steue­roa­sen" in Eu­ro­pa mit Bur­ki­na Fa­sos Hauptstadt Oua­ga­dou­gou ver­gli­chen.

Ich mei­ne, er soll­te sich bei Bur­ki­na Fa­so und Oua­ga­dou­gou ent­schul­di­gen, denn dort gibt es kei­ne Num­mern­kon­ten.

Wahl­ver­spre­chen

Im Jahr 2005 stand der ge­ra­de ver­gan­ge­ne Wirt­schafts­boom noch be­vor, und die neu ge­wähl­ten Re­gie­run­gen in Bund und Land hat­ten an­ge­kün­digt, die Neu­ver­schul­dung zu been­den - aber erst für et­wa 2010, das heißt nach ih­rer Amts­zeit und in ei­ner vor­her­seh­ba­ren Flau­te.

Der Boom kam und sei­ne über­ra­schend ho­hen Meh­rein­nah­men + er­höh­te Mehr­wertsteuer + kal­te Pro­gres­sion +.. +.. +.. wur­den nicht zur Vor­sor­ge ver­wen­det, son­dern so­gar neue Schul­den ge­macht.
Jetzt ist 2008 und die wirt­schaft­li­che Stim­mung wech­selt, be­re­chen­bar wie Jah­res­zei­ten und wie die Aus­re­den für den kom­men­den Bruch obi­ger Ver­spre­chen.

Wenn Be­trie­be so wirt­schaf­ten, sind sie bald plei­te. Staa­ten kön­nen die Plei­te in die nächsten Ge­ne­ra­tio­nen ver­schie­ben, und Po­li­tik tut es ger­ne, weil Geld aus­ge­ben be­que­mer ist als Spa­ren.
Schuld sind wir al­ler­dings sel­ber, wenn wir sol­che Po­li­tik wäh­len.

Um mei­nen Teil zum En­de die­ser Un­ver­nunft bei­zu­tra­gen, ge­be ich hier­mit mein Wahl­ver­spre­chen:
Ich wer­de kei­ne Par­tei und kei­ne Per­son mehr wäh­len, die es in ih­rer Ver­ant­wor­tung nicht ge­schafft ha­ben, die Neu­ver­schul­dung zu been­den!

Mei­nen Kin­dern und Schü­lern kann ich nur sa­gen:
es ist eu­re Zu­kunft, al­so prüft und wählt eben­falls (Po­li­tik, Me­dien, Wirt­schafts­weis­ma­cher..)

Nach­trä­ge

Ja­nuar 2009: Die Re­gie­rung Mer­kel kün­digt 50 Mrd Eu­ro Neu­ver­schul­dung an und der haus­halt­spo­li­ti­sche Spre­cher der Un­ions­frak­tion rech­net jetzt schon mit 60 Mrd. Der bis­he­ri­ge Re­kord lag bei 40 Mrd (1996, Re­gie­rung Kohl).

Fe­bruar 2009: Die Fö­de­ra­lis­mu­skom­mis­sion plant das En­de der Neu­ver­schul­dung ab 2020 (! ) - aber nur, wenn kei­nes der eben­falls ge­plan­ten zahl­rei­chen Hin­ter­tür­chen ge­nutzt wer­den wird...
Und ich fin­de es gut, dass in die­sem Jahr Wah­len sind.