Ein­lei­tung

Je­des Jahr et­wa im März sich­te ich die Be­wer­bun­gen für das kom­men­de Schul­jahr und be­rei­te die Ent­schei­dung der Ab­tei­lung­skon­fe­renz über Zu­sa­ge, War­te­liste oder Ab­leh­nung vor. In die­sem Jahr (2007) wa­ren es be­son­ders viele Be­wer­bun­gen, dem­zu­fol­ge mussten auch viele Be­wer­ber ver­tröstet oder ab­ge­lehnt wer­den.

70 Be­wer­bun­gen auf rund 20 frei ver­füg­ba­re Plät­ze be­deu­tet zweier­lei:

  • Für den Be­wer­ber ist die Be­wer­bung be­son­ders wich­tig, viel­leicht für sei­nen gan­zen wei­te­ren Le­bens­lauf.
  • Für den Be­ar­bei­ter be­deu­tet es viel Ar­beit, al­le Be­wer­bun­gen durch­zu­ar­bei­ten.

Fünf Mi­nu­ten pro Be­wer­bung hie­ße ins­ge­samt 350 Mi­nu­ten = fast 6 Stun­den kon­zen­trier­te Ar­beit für den, der die Be­wer­bun­gen dur­cha­ckern muss - so viel Zeit hat kaum je­mand. Oft ver­kürzt man die Ar­beit, in­dem man Be­wer­bun­gen, die ei­nen schlech­ten Ein­druck ma­chen, schnell aus­sor­tiert. Mit schlech­tem Ein­druck sind hier nicht No­ten ge­meint, son­dern feh­len­de Be­wer­bungs­un­ter­la­gen, un­vollstän­di­ge Le­bens­läu­fe, un­ver­ständ­li­che oder wi­der­sprüch­li­che An­ga­ben und so wei­ter. No­ten sind na­tür­lich auch wich­tig, aber lan­ge nicht al­les, denn wenn viele Be­wer­ber ähn­li­che No­ten ha­ben - und das ha­ben sie - dann ent­schei­det die Per­son und ih­re Be­wer­bung.

Da­mit DU weißt, wo­rauf es an­kom­men kann, ha­be ich wäh­rend der Durch­sicht der letz­ten Be­wer­bun­gen no­tiert, was mir auf­ge­fal­len ist. Auf die­se Punk­te kannst DU in DEINER Be­wer­bung jetzt ach­ten!

Tipps

Aus der "Kar­rie­re­be­ra­tung"
von Hei­ko Mell

2093. Fra­ge : Ich bin Ab­tei­lungs­lei­ter.. ei­nes Un­ter­neh­mens.. mit.. 40000 Mit­ar­bei­tern. Es ist wie­der so weit: Wir ha­ben ei­ne An­zei­ge­nak­tion gestar­tet und ich muss wie­der ein­mal die schriftstel­le­ri­schen Glanz­leistun­gen der di­ver­sen Kan­di­da­ten durch­ar­bei­ten.

Hat ei­gent­lich je­mand Mit­leid mit den Ab­tei­lungs- und Per­so­nal­lei­tern? Leu­te wie Sie, Herr Mell, kön­nen für die­se Tä­tig­keit ja we­nigstens Schmer­zens­geld in Ho­no­rar­form ein­for­dern.

Im Hin­blick auf die übli­chen Ver­druss be­rei­ten­den De­tails (3-tei­li­ge Be­wer­bungs­map­pen, "Was Sie sonst noch von mir wis­sen soll­ten"-Blät­ter, Le­bens­läu­fe mal vor­wärts, mal rück­wärts) ha­be ich re­sig­niert.

Jetzt kommt ei­ne neue Wel­le des Ver­drus­ses, die elek­tro­ni­sche Be­wer­bung per E-Mail. Wie ist ei­gent­lich die Halb­werts­zeit des Ge­dächt­nis­ses von Be­wer­bern? Ka­piert kei­ner, dass hier­bei die glei­che Sorg­falt an­ge­wen­det wer­den soll­te wie bei der Pa­pier­ver­sion?

a) Die ei­ne Be­wer­bung kommt ver­nünf­tig da­her: Was man als An­schrei­ben er­war­tet, ist in der E-Mail ent­hal­ten, die An­la­gen sind in ei­ner (! ) Da­tei, vor­zugs­wei­se als PDF, al­les the­ma­tisch und ch­ro­no­lo­gisch in der rich­ti­gen Rei­hen­fol­ge. Da kann ich dann lustig drin hin- und her­blät­tern, wie ich es von der Pa­pier­va­rian­te her ge­wöhnt bin. Au­ßer­dem se­he ich, dass die­se Stel­le­naus­schrei­bung zu­sam­men­ge­stellt wur­de. Mit an­de­ren Wor­ten: Da hat sich je­mand Mü­he ge­ge­ben.

b) Der nächste schreibt dann: "Hier­mit er­hal­ten Sie mei­ne Be­wer­bung, das An­schrei­ben fin­den Sie in der Da­tei xyz08/15. Ich su­che dann in über zwan­zig An­hän­gen. Könn­te Lblf­fot even­tuell der Le­bens­lauf mit Fo­to sein? Tref­fer, ich be­wer­be mich viel­leicht doch mal bei Gün­ter Jauch. Zeu­ge#45/8 wird wohl ein Zeug­nis sein, aber wel­ches? In­halts­ver­zeich­nis = Fehl­an­zei­ge. Erster Frust kommt hoch. Wie wür­de bei die­sem Be­wer­ber wohl die Or­ga­ni­sa­tion sei­ner Ar­beits­un­ter­la­gen aus­se­hen?

Zu­ge­ge­ben, das war jetzt ein we­nig über­trie­ben (aber wir­klich nur ein we­nig). Wenn ich Ra­te­spie­le ma­chen will, ma­che ich das in mei­ner Frei­zeit.. Beim Durch­le­sen von Be­wer­bungs­un­ter­la­gen brau­che ich das nicht. Kön­nen Sie viel­leicht da­rauf hin­wei­sen, dass doch bit­te für elek­tro­ni­sche Be­wer­bun­gen die glei­che Sorg­falt auf­ge­wen­det wird wie für Pa­pie­raus­füh­run­gen? ..

Oder bin ich zu an­spruchs­voll?

An­twort: Ganz si­cher nicht..

Ich muss im­mer wie­der an das Grund­prin­zip ei­ner Be­wer­bung erin­nern: Sie müs­sen da­mit den Emp­fän­ger über­zeu­gen. Der hin­ge­gen muss nicht - wie ein Ge­richt - Mü­hen und Sorg­falt auf­wen­den, um letzt­lich über Ih­re Qua­li­fi­ka­tion ent­schei­den zu kön­nen. Im Ge­gen­teil: der darf auch emo­tio­nal aus dem Bauch her­aus die Na­se voll ha­ben von Ih­nen.."

Die "Kar­rie­re­be­ra­tung" von Hei­ko Mell er­scheint wö­chent­lich in den VDI nach­rich­ten . Es han­delt sich um Fall­bei­spie­le ei­nes pro­fes­sio­nel­len Per­so­nal­be­ra­ters, die drastisch die Spiel­re­geln im Be­rufs­le­ben schil­dern.
Die Kar­rie­re­be­ra­tung soll­te Pflicht­lek­tü­re für al­le Schü­ler sein.
Wenn Sie Hei­ko Mells Auf­fas­sun­gen be­her­zi­gen und mei­nen gan­zen Un­ter­richt ver­schla­fen, ha­ben Sie we­sent­lich bes­se­re Kar­rie­re­chan­cen als im um­ge­kehr­ten Fall.
Sie wol­len kei­ne Kar­rie­re ma­chen? Dann le­sen Sie die Kar­rie­re­be­ra­tung als vor­beu­gen­den Ar­beit­splatz­schutz!

Ei­ne Be­wer­bung ist ei­ne Ar­beit­spro­be
Wer ei­ne Be­wer­bung schlu­drig macht, zeigt da­mit, dass ihm die Be­wer­bung ei­gent­lich egal ist - und sol­che Leu­te mag nie­mand ein­stel­len. Sprü­che wie "Wenn es da­rauf an­kommt, wer­de ich mir bestimmt mehr Mü­he ge­ben" sind Sprü­che, nichts wei­ter. Bei der Be­wer­bung kommt es näm­lich da­rauf an!
Das Ge­heim­nis ei­ner gu­ten Be­wer­bung ist ganz ein­fach!
Schrei­be und bie­te das, was für den Be­wer­bungs­le­ser in­te­res­sant oder hil­freich ist, nicht mehr, und nicht we­ni­ger. Das muss aber gut über­legt sein.
Wenn du ei­nem Be­wer­bung­semp­fän­ger ge­fal­len willst, musst du al­so nach­den­ken, was ihn in­te­res­sie­ren könn­te und was du bes­ser we­glässt. Da­zu soll­test du dir un­be­dingt Rat ho­len, aber da es um dei­ne ei­ge­ne Zu­kunft geht, soll­test du je­des De­tails letz­tend­lich selbst über­le­gen und ent­schei­den - du wirst das Er­geb­nis näm­lich auch ganz al­lei­ne aus­ba­den müs­sen. Da­zu ge­hört, dass du dein Be­wer­bungs­schrei­ben nicht ein­fach so schreibst, wie es dein Leh­rer oder ein Ar­beit­samts­be­ra­ter ge­sagt ha­ben. Über­le­ge doch: Leh­rer und Ar­beit­samts­be­ra­ter ha­ben in ih­rem Le­ben oft nur ei­ne ein­zi­ge Be­wer­bung ge­schrie­ben und noch über kei­ne ein­zi­ge Be­wer­bung ent­schie­den! Al­so, hö­re dir wohl­wol­lend an, was Leh­rer und Ar­beit­samt sa­gen, aber fol­ge ih­nen nicht un­über­legt.
PS: Ich bin selbst Leh­rer, und wer mir al­les glaubt, ist selbst schuld;-)
Be­wer­bungs­map­pe
Wer 70 Be­wer­bun­gen le­sen muss, hat kei­ne Lust, Papp­kar­tons auf­zu­fal­ten, In­halts­ver­zeich­nis­se zu le­sen oder Zeug­nis­se zu su­chen. Er möch­te, dass al­le Be­wer­bun­gen mög­lichst ähn­lich auf­ge­baut sind. Al­so hal­te dich an die übli­che Form. Ein Schnell­hef­ter mit durch­sich­ti­gem Deck­blatt, da­rin An­schrei­ben, Le­bens­lauf und Zeug­nis­se ist gut, Ord­ner, kom­pli­zier­te Hef­ter und schril­le Map­pen ner­ven nur. Ei­ne spe­ziel­le Be­wer­bungs­map­pe ist nicht bes­ser, bloß weil die Schreib­wa­ren­ver­käu­fe­rin das be­haup­tet. Nicht dei­ne Be­wer­bungs­map­pe muss auf­fal­len, son­dern ihr In­halt!
Be­wer­bungstext
Im Be­wer­bungstext muss al­les ste­hen, was wich­tig ist und dich in­te­res­sant macht. Aber hal­te dich kurz, kein Per­so­nal­chef hat die Zeit, Auf­sät­ze zu le­sen. Und vor al­lem: schrei­be or­dent­lich! Dur­chei­nan­der, Un­sinns­sät­ze, Recht­schreib­feh­ler.. al­les kann das En­de dei­ner Be­wer­bung sein. Wenn du in Deutsch Pro­ble­me hast, musst du dir et­was ein­fal­len las­sen. Da­rum geht es näm­lich bei ei­ner Be­wer­bung auch: Du zeigst, dass du dir Mü­he gibst. Su­che im­mer je­man­den, der gut in Deutsch ist, und las­se ihn dei­ne Be­wer­bung kor­ri­gie­ren. Noch bes­ser ist es, wenn du drei ver­schie­de­ne Leu­te da­rum bit­test!
Schu­lab­schluss nicht an­ge­ge­ben
1.) Was macht ein cle­ver­er Schü­ler, wenn er den Haupt­schu­lab­schluss (Real­schluss­ab­schluss) nicht ge­schafft hat? Er gibt im Le­bens­lauf20xx - 20­yy an der Haupt­schu­le so­wie­soan, legt sein Zeug­nis da­zu und hofft, dass der Be­wer­bung­semp­fän­ger den Un­ter­schied zwi­schen ei­nem Ab­gangs­zeug­nis und ei­nem Ab­schluss­zeug­nis nicht kennt. Das klappt wahr­schein­li­cher öf­ter, als man denkt. Der Be­wer­ber darf nur nicht be­haup­ten, dass er den Ab­schluss hät­te, denn das wä­re ei­ne Lü­ge und ein Kün­di­gungs­grund für al­le Zei­ten.
2.) Was macht al­so der cle­vere Schü­ler mit Ab­schluss, da­mit er nicht mit 1.) ver­wech­selt wird? Er schreibt sei­nen Ab­schluss aus­drück­lich in das An­schrei­ben UND in den Le­bens­lauf - denn man­che Be­wer­bung­semp­fän­ger le­sen nur ei­nes von bei­den gründ­lich.
Die Wir­klich­keit sieht so aus: Da hat­te doch ein Schü­ler an sei­ner Haupt­schu­le ei­nen (Werk-)Real­schu­lab­schluss ge­macht. Gu­ter Schü­ler, könn­te man den­ken, aber cle­ver war er nicht. Er hat­te näm­lich das Wer­kreal­schul­zeug­nis we­der im An­schrei­ben noch im Le­bens­lauf er­wähnt und es auch noch hin­ter das Haupt­schul­zeug­nis ge­hef­tet. Wenn ich ge­nau­so ge­pennt hät­te, wä­re er der Dum­me ge­we­sen.
Blen­den­de No­ten
Du hast blen­den­de No­ten? Ver­las­se dich bloß nicht da­rauf, dass sie von al­lei­ne strah­len. Bes­ser ist es, wenn du ei­nen klei­nen Hin­weis da­rauf in das An­schrei­ben ein­flech­ten kannst, nach dem Mot­to: Tue Gu­tes und re­de dar­über.
Zeug­nis
Wenn ich ein Zeug­nis aus der nächsten Dorf­schu­le le­se, kann ich meis­tens et­was da­mit an­fan­gen. Aber wenn das Zeug­nis aus ei­nem an­de­ren Land oder von ei­ner an­de­ren Schu­lart stammt, be­gin­nen die Pro­ble­me. Ist das Ab­gangs­zeug­nis der 10.­Klas­se ei­ner Real­schu­le in Hes­sen gleich­wer­tig mit ei­nem Haupt­schu­lab­schluss? Be­deu­tet EK in ei­nem Zeug­nis aus Bent­heim Ein­füh­rungs- oder Er­gän­zungs- oder Ex­per­ten­kurs oder end­los krank oder was? Ist ei­ne 2 aus der Schweiz gut? Da ha­be ich manch­mal kei­ne Ah­nung! Wenn die Be­wer­bung sonst gut ist und ich gut auf­ge­legt bin, ru­fe ich viel­leicht bei der Schu­le an und fra­ge nach, aber si­che­rer ist es, wenn du das selbst im Be­wer­bungs­schrei­ben er­läu­terst. Ach­te auch da­rauf, dass auf dem Zeug­nis steht, von wel­cher Schu­le es aus­ge­stellt wur­de und wo die Schu­le steht.
PS: Lei­der ach­ten Leh­rer und Schu­len auf sol­che Pro­ble­me viel zu sel­ten. Sie ma­chen sich oft kei­ne Ge­dan­ken, wie ein Au­ßenste­hen­der ihr Zeug­nis ver­ste­hen soll. Ich ha­be so­gar schon Zeug­nis­se oh­ne je­de An­ga­be der Schu­le ge­se­hen. Was nützt die An­ga­be: Bun­des­land xy, Zeug­nis der städ­ti­schen Haupt­schu­le? Nix!
Zeug­ni­sko­pie quer
Wenn du das Zeug­nis quer ko­pierst, muss der Le­ser die Be­wer­bungs­map­pe dre­hen. Bei den ersten Be­wer­bern macht er das noch ge­las­sen, beim 50. Be­wer­ber ist er ge­nervt. Das soll­te dir bei dei­ner Be­wer­bung nicht pas­sie­ren.
Auf­fäl­lig­kei­ten im Le­bens­lauf
Du wohnst im stadt­be­kann­ten Ghet­to oder warst auf ei­ner För­der­schu­le oder so et­was in der Art? Das ist zwar nichts Be­son­de­res, trotz­dem ri­skierst du ein klei­nes Pro­blem mit dem Vor­ur­teil man­cher Mit­men­schen. Im Prin­zip hast du in ei­ner Be­wer­bung zwei Mög­lich­kei­ten, da­mit um­zu­ge­hen, näm­lich ver­schwei­gen oder er­klä­ren.
Ver­schwei­gen kann man zB. das Ghet­to. Dei­ne Adres­se musst du na­tür­lich nen­nen, aber in wel­chem Vier­tel die­se Adres­se liegt, musst du nicht auch noch an­ge­ben.
Er­klä­ren kann man zB. die För­der­schu­le.Als Kind hat­te ich das und das Pro­blem und kam des­halb zu­nächst auf ei­ne spe­ziel­le Schu­le. Inz­wi­schen ist das Pro­blem be­ho­ben.oderDas Pro­blem besteht wei­ter­hin, wird aber bei mei­ner Aus­bil­dung kei­ne Rol­le spie­lenoder... sind Mög­lich­kei­ten.
Dein letz­tes Zeug­nis ist schon äl­ter und du be­wirbst dich erst für das kom­men­de Schul­jahr? Das soll schon dein 3. Aus­bil­dungs­ver­trag wer­den? Du hast mehr­fach die Schu­le ge­wech­selt? Vom Gym­na­sium zur Haupt­schu­le? Die Grün­de da­für kön­nen ganz harm­los sein, zB. weil die El­tern häu­fig um­ge­zo­gen sind, aber es gibt auch an­de­re Mög­lich­kei­ten. Des­halb be­kommt man Fra­ge­zei­chen in den Au­gen, wenn man sol­che Le­bens­läu­fe liest oder ahnt, und möch­te mehr wis­sen. Ei­ne gu­te Er­klä­rung kann da Gold wert sein.
Du hast schon Prak­ti­ka ge­macht oder ge­jobbt? Dann wä­re ein Prak­ti­kums- oder Ar­beits­zeug­nis in­te­res­sant, am besten ein gu­tes. Wenn ein Aus­bil­dungs­meis­ter liest, dass du im Prak­ti­kum im­mer an­stän­dig, in­te­res­siert und flei­ßig warst, dann sind schwa­che Schul­no­ten schon halb ver­ges­sen.
Du bist Wel­ten­wan­de­rer und kommst aus Ka­sachstan oder Ana­to­lien, Por­tu­gal oder Bos­nien, x oder y? Dann bist du mir her­zlich will­kom­men und den meis­ten Ar­beit­ge­bern auch. Aber wenn ich dich ein­stel­len und be­zah­len soll­te, wür­de ich ger­ne et­was mehr wis­sen, zum Bei­spiel wie lan­ge du schon in Deut­schland bist und wie gut du deutsch kannst. Auch dei­ne recht­li­che Po­si­tion kann für ei­nen Ar­beit­ge­ber in­te­res­sant sein, schließ­lich macht es ar­beits­recht­lich ei­nen Un­ter­schied, ob du ei­nen deut­schen Pass hast oder von Ab­schie­bung be­droht bist.
Fa­mi­lie
Du hast Ge­schwister? Dann musstest du den Nach­tisch und Ma­ma tei­len, dich über­'s Fern­seh­pro­gramm ei­ni­gen und hast früh ge­lernt, dass du nicht der ein­zi­ge Mit­tel­punkt der Welt bist. Man nennt das so­zia­le Kom­pe­tenz, die heut­zu­ta­ge sehr ge­fragt ist. Al­so, Ge­schwister ha­ben auch ihr Gu­tes und soll­ten an­ge­ge­ben sein.
Du bist wo­mög­lich die Äl­teste von 4 Ge­schwistern? Dann ver­mu­tet man, dass du oft auf die Klei­nen auf­pas­sen musstest und ver­ant­wor­tungs­be­wusster bist. Weil sol­che In­for­ma­tio­nen auch wich­tig sind, soll­test du auch das Al­ter dei­ner Ge­schwister an­ge­ben.
Ma­ma ist Ver­käu­fe­rin, Pa­pa La­ger­ar­bei­ter, Bru­der Elek­tri­ker? Gut, dann weißt du, dass man mor­gens zur Ar­beit muss, um sei­ne Bröt­chen zu ver­die­nen. Wenn die Be­ru­fe in dei­nem Le­bens­lauf ste­hen, weiß der Le­ser auch, dass du es weißt. Al­so gib die Be­ru­fe an.
Wenn dei­ne El­tern al­ler­dings ar­beits­los oder Leh­rer sind, soll­test du selbst nach­den­ken, was du schreibst oder nicht schreibst.
Dei­ne Mut­ter hat dich al­lei­ne groß ge­zo­gen? Re­spekt vor dei­ner Mut­ter! Für dich ist das al­ler­dings nichts Be­son­de­res mehr und für Be­wer­bungs­le­ser auch nicht. Des­halb ist das kein Pro­blem mehr wie noch vor ein paar Jahr­zehn­ten. Wahr­schein­lich weißt du kaum, wo­von ich hier schrei­be.
Ver­ein? Feuer­wehr? Ro­tes Kreuz? THW? ..
Du bist in ei­nem Ver­ein oder en­ga­gierst dich an­der­wei­tig? Dann ist an­zu­neh­men, dass du so­zial ein­ge­bun­den bist und dei­ne Zeit nicht nur vor der Glot­ze ver­bringst, viel­leicht so­gar Ver­ant­wor­tung über­nimmst. Al­so kann man das ru­hig an­ge­ben.
Vor­sicht, Fuß­bal­ler & Co! Man­che Chefs sind sport­be­geistert, aber an­de­re mö­gen es gar nicht, wenn ih­re Ar­bei­ter am Mon­tag früh ver­letzt sind. Al­so soll­test du Er­kun­di­gun­gen ein­zie­hen und sel­ber nach­den­ken, was du schreibst.
Be­son­de­re Kennt­nis­se und Hob­bys
Du be­haup­test, du hät­test be­son­de­re Kennt­nis­se in
 Text­ver­ar­bei­tun­gen wie M$-Word? Aber du schaffst es
nicht ein­mal, dass die Zei­len ge­nau un­ter­ein­an­der
 be­gin­nen? Dann hast du dich wohl selbst ver­ra­ten..
Dein ein­zi­ges Hob­by ist Chil­len? Hof­fent­lich weiß der Be­wer­bungs­le­ser nicht, was du da­mit meinst;-)
Be­wer­bungs­un­ter­la­gen wer­den nach­ge­reicht
Du hast den Le­bens­lauf ver­ges­sen und willst ihn nach­rei­chen? Na, bra­vo - das ist doch ein deut­li­cher Ein­stand! Bis feh­len­de Un­ter­la­gen nach­ge­reicht sind, nimmt ein Be­wer­bungs­le­ser oft nur das Schlimmste an. Und meis­tens lässt er die an­de­ren Be­wer­ber auch nicht auf dich war­ten, son­dern ent­schei­det zur Not oh­ne dei­ne Un­ter­la­gen. Al­so, beei­le dich we­nigstens.
An­ti-Dis­kri­mi­nie­rungs-Ge­set­ze
Ar­beit­ge­ber dür­fen dich we­gen dei­nes Ge­schlecht, dei­nes Al­ter, dei­nes Aus­se­hens, dei­ner Be­hin­de­rung, dei­ner Re­li­gion, dei­ner Her­kunft, dei­ner Na­tio­na­li­tät und so wei­ter we­der be­nach­tei­li­gen noch be­vor­zu­gen? Viel­leicht dür­fen sie nicht ein­mal da­nach fra­gen? Mag schon sein, aber wis­sen wol­len sie es trotz­dem, und wenn du sol­che In­for­ma­tio­nen zu ver­heim­li­chen ver­suchst, dann wer­den sie eben sehr sorg­fäl­tig prü­fen, ob sie dich wir­klich ein­stel­len wol­len.
Ich wür­de auf die­se An­ga­ben und ein Pass­bild je­den­falls nicht ver­zich­ten, bis sich Le­ben­spra­xis und Ge­set­ze an­ge­nä­hert ha­ben. Und das wird noch dauern...

Ein Tipp für Leh­rer

Beim The­ma "Be­wer­bun­gen" ge­he ich mit der Klas­se im­mer in ei­nen Com­pu­ter­raum. Da die Schü­ler ih­re Ent­wür­fe in ei­ner Text­ver­ar­bei­tung schnell än­dern kön­nen, las­sen sie sich dort leich­ter zur Per­fek­tion mo­ti­vie­ren.

Links