Ge­schich­te: MS vs. GM

In ei­ner be­kann­ten An­ek­do­te ver­glich Bill Ga­tes die Com­pu­ter­in­dus­trie mit der Au­to­in­dus­trie. Er sag­te: "Wenn Ge­ne­ral Mo­tors mit der Tech­no­lo­gie so mit­ge­hal­ten hät­te wie die Com­pu­ter­in­dus­trie, dann wür­den wir heu­te al­le 25-Dol­lar-Au­tos fah­ren, die 1000 Mei­len pro Gal­lo­ne Sprit fah­ren wür­den."

Kurz da­rauf räch­te sich Ge­ne­ral Mo­tors mit ei­ner Pres­se­mit­tei­lung: "Wenn Ge­ne­ral Mo­tors ei­ne Tech­no­lo­gie wie Mi­cro­soft ent­wi­ckelt hät­te, dann wür­den wir heu­te al­le Au­tos mit fol­gen­den Ei­gen­schaf­ten fah­ren:

  • Ihr Au­to wür­de oh­ne er­kenn­ba­ren Grund zwei­mal am Tag ei­nen Un­fall ha­ben.
  • Je­des­mal, wenn die Li­nien auf der Stra­ße neu ge­zeich­net wer­den wür­den, müsste man ein neues Au­to kau­fen.
  • Ge­le­gent­lich wür­de ein Au­to oh­ne er­kenn­ba­ren Grund auf der Au­to­bahn ein­fach aus­ge­hen und man wür­de das ein­fach ak­zep­tie­ren, neu star­ten und dann wei­ter­fah­ren.
  • Wenn man bestimm­te Ma­nö­ver durch­führ­te, wür­de das Au­to ein­fach aus­ge­hen und sich wei­gern, neu zu star­ten. Man müsste dann den Mo­tor neu instal­lie­ren.
  • Man kann nur al­lei­ne im Au­to sit­zen, es sei denn, man kauft "Car98" oder "CarNT". Aber dann müsste man je­den Sitz ein­zeln be­zah­len.

Vor­ge­schich­te: Sim­plex

Wer glaubt, Com­pu­ter seien et­wa 20 Jah­re nach ih­rer Ein­füh­rung schwer zu be­die­nen, le­se den Fahr­be­richt mit ei­nem Mer­ce­des Sim­plex Bau­jahr 1901, knapp 20 Jah­re nach den ersten Au­to­mo­bi­len. Der Fahr­be­richt stammt aus dem Jahr 2000 von Mal­te Jür­gens ("Au­to, Mo­tor und Sport" vom 13.12.2000), hier ein Aus­zug:

"Der erste Mer­ce­des der Ge­schich­te trug selbst­be­wusst den Nach­na­men Sim­plex, weil er für da­ma­li­ge Ver­hält­nis­se so ein­fach zu be­die­nen war....

Die Pro­ze­dur be­ginnt mit eins plus fünf. Ei­ne Mi­nu­te mit der Hand­pum­pe links am Ar­ma­tu­ren­brett Druck auf Öl - und Ben­zin­tanks (ge­ben), et­wa 0,3 bar. Dann fünf Mi­nu­ten war­ten. So lan­ge braucht das Öl, um über die Haupt­häh­ne, neun Schau­glä­ser und Re­gu­lier­schrau­ben so­wie die Lei­tun­gen bis zu den Mo­tor­la­gern durch­zu­tröp­feln.

Da­nach Ben­zin­hahn auf und den Spritz­dü­sen-Ver­ga­ser flu­ten. Den Hand­he­bel der Zünd­ver­stel­lung ganz nach rechts auf "spät" rü­cken, den Luft­he­bel ein Vier­tel sei­nes We­ges auf dem ge­rän­del­ten Seg­ment nach links stel­len, den Ge­misch-Re­gu­la­tor auf Mit­te.

Lin­ke Hand am Rah­men­holm, fester Stand, rech­te an die Kur­bel. Und kur­beln. Patsch. Wei­ter­kur­beln. Nicht nach­las­sen. Sechs Li­ter Hu­braum sind sechs Li­ter Hu­braum. Sie stem­men sich aber nur mä­ßig ge­gen den men­schli­chen An­las­ser, da die Ver­dich­tung der frü­hen Jah­re mit 4,5: 1 mil­de aus­fiel.

Plötz­lich ein re­gel­mä­ßi­ges Stak­ka­to von Zün­dun­gen. An die Len­krad­he­bel, und zwar hur­tig. Zün­dung auf "früh", aber nicht zu früh. Gas­he­bel zwei Nu­ten nach links. Ge­mi­schre­gu­lie­rung nach Ge­hör, bis er st­abil klingt, der Leer­lauf. Fünf Mi­nu­ten Warm­laufp­ha­se....

Die Ket­ten lau­fen fast frei. Ei­ne Ge­fahr für den Co­pi­lo­ten? Nur, wenn man die Renn­ge­schich­te et­was ge­nau­er be­trach­tet. Ein­ar­mi­ge Bei­fah­rer, le­gen Be­rich­te der her­oi­schen Epo­che na­he, wa­ren nicht eben sel­ten.

Kup­plung tre­ten, Hand­gas auf null, kurz vor dem Ab­ster­ben des Mo­tors den noch längst nicht synch­ro­ni­sier­ten ersten Gang ein­le­gen, Hand­gas auf, Kup­plung zü­gig ein­rü­cken, ab­war­ten. Schon rollt der Sim­plex, kaum zehn Mi­nu­ten nach Start­be­ginn. So ein­fach ist das.

Schnel­ler wer­den. Die Welt von heu­te fliegt un­ter der Welt von ein­st da­hin, bis 1000/­min. Dann war­tet der zwei­te Gang. Kup­plung tre­ten, Hand­gas auf null, Leer­lauf ein­le­gen, Kup­plung ein­rü­cken, et­was Gas mit dem Hand­he­bel, Kup­plung er­neut tre­ten, Hand­gas weg, den Zwei­ten ein­le­gen, Kup­plung ein­rü­cken. Und Gas ge­ben. Und mehr Früh­zün­dung. Und ei­ne neue La­ge für den Ge­misch­he­bel fin­den. Und da­bei die neun Öl-Schau­glä­ser im Au­ge be­hal­ten. Und feh­len­de Trop­fen mit der Stell­schrau­be wie­der her­bei­re­gu­lie­ren. Da­bei steigt die Dreh­zahl: Er­neut will al­les ad­justiert sein..... "

Fa­zit

In Sa­chen Be­nut­zer­freund­lich­keit hat Bill Ga­tes noch ein paar Jah­re Zeit, wenn er Com­pu­ter mit Au­tos ver­gleicht.